Die älteste Form der Seefischerei ist die Küstenfischerei. Über 2.000 Jahre lang verharrte sie technologisch auf praktisch gleichem Niveau. Sie beschränkte sich auf die Tidenzonen der Flüsse sowie auf Ästuare (z.B. Weser- oder Elbmündung) und Watten. Gefangen und gesammelt wurde alles Nutzbare. Neben 30 und mehr Fischarten vor allem Garnelen, Muscheln, Robben, Seevögel und dergleichen. Vielseitig und für jedermann zugänglich war die Küstenfischerei zwar der Schlüssel zum Überleben zahlreicher Küstenbewohner, Wohlstand verschaffte sie indes nicht. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts blieb sie im Vergleich zur Hochseefischerei wirtschaftlich unbedeutend.
Das änderte sich erst infolge der industriellen Revolution. Denn wachsende Märkte verlangten nach immer mehr Fisch und technologischer Fortschritt erleichterte seinen Fang; zugleich jedoch fielen die angestammten Fanggründe zunehmenden Umweltschäden anheim. In nur wenigen Jahrzehnten verschoben sich deshalb in dem Maße, wie Flüsse und Watten zerstört wurden und die Fangtechnik es erlaubte, die Schwerpunkte der Küstenfischerei seewärts. Mit der Erschließung neuer Fanggebiete und der Konzentration auf wenige Arten (Rundfische, Plattfische, Muscheln, vor allem aber Krabben) begann am Anfang des 20. Jahrhunderts schließlich die Entwicklung der modernen Küstenfischerei. Eine wichtige Rolle spielten dabei die staatlich geförderte Motorisierung der Kutter und verbesserter Technik. Heute sind alle denkbaren Fanggründe erschlossen, die Zahl der Kutter und Fischer hat sich offenbar stabili-siert, die Anlandungen von Speisekrabben und Muscheln sind stetig gestiegen. Anders als früher ist die Küstenfischerei heute aber von internationalen Entwicklungen abhängig. Die Öffnung der Märkte und Globalisierung der Warenströme machen vor den Fischmärkten nicht Halt und begünstigen die Konzentration im Handel. Dennoch konnten sich die nieder-sächsischen Fischer gut behaupten. Die seit Ende der 1970er Jahre zunehmend positive Abkopplung der Einkommen in der Krabbenfischerei von den landwirtschaftlichen und gewerblichen Vergleichslöhnen hat sich auch in den letzten Jahren fortgesetzt; sie bleibt damit die wirtschaftlich erfolgreichste Fischerei des gesamten Sektors. Überaus positiv verlief die Gewinnentwicklung auch in der Muschelfischerei, vor allem nach Einführung der Muschelkultur in den 1960er Jahren. Dagegen ist die Bedeutung des Rundfisch-, aber auch des aus längerfristiger Sicht wirtschaftlich wichtigen Plattfischfangs in der gemischten Fischerei aufgrund schlechter Bestände in letzter Zeit deutlich zurückgegangen.